Eine gute Nachricht: Das Buch „Enterprise Wikis”von Seibert, Preuss und Rauer
von Anja Ebersbach
Endlich mal wieder ein Wiki-Buch! Nach unzähligen „Alle wichtigen Social Media-Anwendungen und wie man’s richtig macht in 200 Seiten“-Werken präsentieren die Autoren ein Buch, das sich dediziert mit der Einführung von Wikis im Unternehmenskontext beschäftigt. Man hat es also mit Experten zu tun, die – wie sie selber schreiben – schon über zweihundert Wiki-Projekte in Firmen geleitet haben.
Eines dieser Projekte (oder eine Mischung aus mehreren?) wird im Buch als Muster durchexerziert: Von der Entscheidungsfindung bis hin zur Pflege des Wikis wird die fiktive Capitol AG (übrigens: heute startet die neue Stromberg-Staffel) bei der Implementierung ihrer neuen Wissensmanagementplattform begleitet. Demnach ist das Buch in folgende Teile gegliedert:
- Unternehmenskommunikation: Wie ein Wiki Unternehmen verändert
- Technologische Aspekte der Wiki-Einführung und eine skeptische IT-Abteilung
- Organisatorische und kulturelle Aspekte
- Wiki-Nutzung ankurbeln
Die Hauptrollen spielen die Autoren selbst und als Mitarbeiter der Capitol AG so genannte „Personas“ , typische Charaktere, die sicherlich schon jedem im Arbeitsalltag begegnet sind, wie zum Beispiel Marc Microsoft oder Gerd Gebichnichther.
Die locker erzählte Geschichte ist flüssig zu lesen – ich habe im Urlaub zwei Tage dazu gebraucht – und wird immer wieder sowohl mit theoretischem als auch mit praktischem Fachwissen gespickt. So werden z. B. 111 Gründe für ein Enterprise-Wiki aufgelistet oder Bezüge zu relevanten Studien hergestellt.
Obwohl es ein Kapitel gibt, das sich mit der Technik des Wikis auseinandersetzt, handelt es sich nicht um eine Bedienungsanleitung für eine bestimmte Wiki-Software. Die Autoren versuchen weitestgehend zu abstrahieren, was ihnen jedoch nicht in Gänze gelingt. Sowohl die Wahl der Begrifflichkeiten und der empfohlenen Plugins als auch das Wiki-Symbol in den Infografiken und das ständige Hadern mit der Wikipedia (ist sie nun ein gutes Vorbild für ein Firmenwiki oder nicht?) machen klar: Hier dreht es sich um Confluence. Dadurch nimmt der Ratgeber aber keinen Schaden, die Tipps und Tricks lassen sich auch auf andere Wiki-Systeme übertragen.
Bezüglich der Zielgruppe muss ich den Angaben des Klappentextes etwas widersprechen. Für „Ernst Entscheider“ und „Nina Nochniegemacht“ ist das Buch garantiert eine großartige Einführung, die nicht zu tief ins Detail geht und einen guten Überblick bietet. Für Berater und erfahrene Wikianer jedoch, die selbst bereits Wiki-Projekte durchlaufen haben und nach weitergehenden Informationen suchen, bleibt das Buch zu stark an der Oberfläche. Aber selbst für diese Gruppe bietet es den Mehrwert einer amüsant geschriebenen Zusammenfassung mit Wiedererkennungseffekt.
Martin Seibert, Sebastian Preuss und Matthias Rauer (2011): Enterprise Wikis – Die erfolgreiche Einführung und Nutzung von Wikis in Unternehmen, Gabler Verlag, Wiesbaden.
Die Beschaffenheit eines Wiki Pilot Teams
von Anja Ebersbach
Q: U.S. Navy, Wikimedia Commons, Lizenz: CC
Plaudern wir ein wenig aus dem Web 2.0-Nähkästchen: Der Erfolg eines Projekts hängt nicht zuletzt vom "Pilot Team" ab, das, um im Bild zu bleiben, die Plattform "zum Fliegen" bringen soll.
Ein Wiki zum Beispiel. Geht man von einer typischen Wiki-Implementation innerhalb eines Unternehmens aus, so läuft diese in Phasen ab, d.h. die Unternehmensmitarbeiter werden zu bestimmten Projektabschnitten in Gruppen in das Wiki eingeführt, die man wie folgt benennen kann:
Innovators: Hierbei handelt es sich um die Projektinitiatoren, die mit der Untersuchung der Mitarbeiteranforderungen, mit der Auswahl der Software, mit der Beantragung und Freigabe des entsprechenden Budgets und der Projektplanung betraut sind. Abhängig von der Unternehmensgröße, der Reichweite des geplanten Wikis und der Methode des Projektmanagements sind fünf bis zehn Mitarbeiter mit den betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Aufgaben des sogenannten Pre-Pilots für ca. ein halbes Jahr (mit unterschiedlicher Arbeitsbelastung) beschäftigt. Die „Haupt“-Verantwortlichen für den Betrieb des Wikis, also die Wissensmanager und ggfs. ihre Assistenten werden essentieller Teil des Pilot Teams.
Kennen Sie Wikibu?
von Anja Ebersbach
Screenshot Wikibu
Bei meinem letzten Aufenthalt an der PH Bern habe ich von der Homepage Wikibu erfahren. Mit dem Projekt von Werner Hartmann vom Zentrum für Bildungsinformatik der PHBern kann man deutsche Wikipedia-Seiten auf ihre Qualität hin prüfen und bewerten lassen.
Die Handhabung ist kinderleicht: Geben Sie einfach den Namen des gewünschten Wikipedia-Artikels in dem angezeigten Formularfeld an. Auf der Basis bestimmter Bewertungskriterien, die man auch auf der Homepage von wikibu selbst nachvollziehen kann, wird dem Artikel eine bestimmte Anzahl an Punkten – maximal 10 – verliehen. Zudem „errechnet“ Wikibu die fünf Hauptautoren des Artikels und zeigt andere Artikel an, an denen sie ebenfalls mitgewirkt haben.
Die Entwickler des Tools, Nando Stöcklin und Michael Hielscher, betonen, dass die Wertung auf rein statistischen Erhebungen beruht und daher eine zusätzliche inhaltliche Prüfung unumgänglich ist. Dennoch ein sehr interessanter Ansatz für das erste Monitoring eines Artikels!
@ Tom Messerli: Danke für den Tipp! ;o)
No Wiki is perfect
von Anja Ebersbach… und das ist gut so.
Nach zahlreichen Wiki-Anwenderschulungen, die ich im Firmenkontext veranstaltet habe, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass sich diese Software für Anfänger alles andere als intuitiv erweist. Zwar kennen viele User die Wikipedia, aber eben nur vom „Anschauen“ und „Lesen“. Wenn es darum geht, die aktive Mitarbeit im Wiki zu vermitteln, wird es für den Trainer zum Spießrutenlauf. Kommentare wie „Ich kann meine Seite nicht mehr finden!“, „Meine Änderungen sind verschwunden!“, „Warum muss ich denn so umständlich Tabellen programmieren?“ „In Word geht das viel einfacher!“ stehen auf der Tagesordnung. weiterlesen...
Enterprise 2.0 von Michael Koch und Alexander Richter erschienen
von Anja EbersbachEs ist bereits die zweite Auflage: Das Buch von Koch und Richter richtet sich an jene, die wissen wollen, was Social Software ist und wie diese nutzbringend im (internen) Unternehmenskontext eingesetzt werden kann. Es gibt nicht weniger als 21 Fallbeispiele zu bestaunen.
Eins wurde von Markus Glaser, Martin Mosler und Anja Ebersbach beigesteuert. Es geht um die Herausforderungen mehrsprachiger Wikis in Unternehmen. Ein Thema, das uns hier noch intensiver beschäftigen wird.
Michael Koch/Alexander Richter (Hg.): Enterprise 2.0. Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen, 2. Auflage, München: Oldenbourg Verlag, 2009



